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Feuerwehr trainierte für den Ernstfall in der Hermann-Keller-Straße

Geschrieben von Ferdy.

Wenn die Feuerwehr gerufen wird ist Not am Mann, oft zählt jede Sekunde, dann muss jeder Handgriff auf Anhieb sitzen. Eine gute und realitätsnahe Ausbildung legt den Grundstein für den Einsatzerfolg. Gemeinsam mit der 1. Dienstschicht der Feuerwache Nord übten wir deshalb am Samstag, 28. Juli 2018 während der Vormittagstunden die Menschenrettung und die Brandbekämpfung bei einem angenommenen Wohnungsbrand. Dazu stand uns das leer stehende Mietshaus in der Hermann-Keller-Straße 66 zur Verfügung. Nach einer theoretischen Übungsbesprechung im Schulungsraum unseres Gerätehauses, 2x unterbrochen durch reale Brandmeldealarme in Gohlis und Wiederitzsch, lautete die Alarmmeldung „Wohnungsbrand im 1. Obergeschoss, eine vermisste Person, mehrere Personen am Fenster“. Vor Ort eingetroffen gellten weithin hörbare Hilferufe durch das sonst so beschauliche Quartier, drangen dichte Rauchschwaden aus dem Gebäude.

Mit zwei Trupps unter schwerem Atemschutz wurde im Innenangriff die Personensuche und Brandbekämpfung eingeleitet, während zeitgleich die Drehleiterbesatzung frontal und seitlich des Hauses drei Personen aus der Wohnung über dem Brandgeschoss retten musste. Auf der Rückseite stand eine weitere Person im 2. Obergeschoss auf dem Balkon und rief um Hilfe. Zügig brachten zwei weitere Trupps eine tragbare Leiter in Stellung, stiegen zum Balkon auf und führten die zu rettende Person an einer Feuerwehrleine gesichert nach unten, um anschließend über den Balkon im 1. Obergeschoss mit einem C-Rohr in die Brandwohnung einzudringen. Was sich hier recht einfach dahin liest bedeutet für die einzelne Einsatzkraft ein hohes Maß an Konzentration und körperlicher Anstrengung, für die Führungskräfte ist das ein unglaublich hoher Koordinierungsaufwand. Rettungs- und Löschmaßnahmen auf verschiedenen Etagen und verschiedenen Gebäudeseiten zu gleicher Zeit müssen präzise untereinander abgestimmt sein, um seine Kameraden nicht in Gefahr zu bringen. Allein das ist schon Stress pur. Hinzu kommen Ausrüstungsgegenstände die nicht mit dem eigenen Löschfahrzeug mitgeführt werden und von einem anderen (fremden) Fahrzeug zu entnehmen sind, die drängelnden, schreienden, um ihr Leben fürchtenden Personen an den Fenstern. Und Temperaturen um die 30°C. Alles in allem also kein leichtes Unterfangen. Nach erfolgter Übungsnachbesprechung wurden die Positionen durchgetauscht und das Szenario ein zweites Mal durchlaufen, sodass jeder Teilnehmer richtig gefordert wurde. Die zuvor besprochenen Erkenntnisse und Hinweise wurden von den Trupps erfolgreich umgesetzt.

Ein gemeinsames Mittagessen im Wiederitzscher Gerätehaus ließ den Ausbildungstag ausklingen. Ohne die akribische Planung und Vorbereitung durch Thomas Wittmann und Hendrik Walther sowie die Unterstützung durch die Branddirektion und vor allem der Anwohner wäre dieses Unterfangen nicht möglich gewesen: Ausbildungsmittel wurden vom Dienstherren bereit gestellt, Einschränkungen im Straßenbereich und auf dem Wäscheplatz in Kauf genommen, Lärm ertragen, ja sogar die Stromversorgung für Nebelmaschine und Kompressor erfolgte durch die Anwohner. Ein solch großes Tohuwabohu zieht natürlich auch Aufmerksamkeit auf sich, danke an die interessierten Beobachter die auch Zaungäste blieben statt Betroffene zu werden! Für uns war dieses Zusammenspiel aller Faktoren eine fantastische Motivation!